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Die Ausgrabung im Stadlershof

Stadlershof (Marktplatz 5) in den 70er Jahren
Stadlershof (Marktplatz 5) in den 70er Jahren

Archäologische Sicherung im Stadlershof
Archäologische Sicherung im Stadlershof.
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Foto: A. Faisst

Schüssel mit Henkel
Schüssel mit Henkel

Fragmente eines Topfes
Fragmente eines Topfes
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Fotos: A. Faisst

Die Voraussetzungen der Untersuchung

In der Zeit von November 2000 bis März 2001 führte die Arbeitsgruppe Archäologie in Fürth mit Zustimmung der zuständigen Behörden und Unterstützung der neuen Eigentümer auf dem Anwesen Marktplatz 5 archäologische Ausgrabungen durch.

Grundlage dieser Untersuchungen bildet die bereits eingetretene Zerstörung des ursprünglichen Bodenniveaus im an den Marktplatz angrenzenden Vorderhaus durch Absenkung der Erdgeschoßebene um 1908. Diese Maßnahme diente seinerzeit dazu, das Ladenniveau im Vorderhaus dem Marktplatzniveau zwecks besserer Begehbarkeit anzupassen. Mit der geplanten Sanierung der Gebäude im Stadlershof, insbesondere der Fußböden der ans Vorderhaus anschließenden Anbauten, stand zu befürchten, daß durch weitere Bodeneingriffe vorhandene historische Bodenspuren unbeobachtet verloren gehen.

Die historischen Hintergründe

Historische Aufzeichnungen zu Hof und Gebäuden lassen sich bis ins Jahr 1611 zurückverfolgen. Gleichwohl vermutete der Häuserchronist Gottlieb Wunschel, daß mit einer Bebauung des Grundstücks um 1500 gerechnet werden muß und begründet seine Vermutung mit einer Formulierung aus der Fronmüller-Chronik, daß die westlichen Hänge des Bergsporns zwischen Pegnitz und Rednitz mit Weinbergen bepflanzt waren. Fronmüller selbst bezog sich ohne näheren Angaben auf das Bamberger Archiv.

Die Fragestellung

Mit der archäologischen Sicherung und Dokumentation der angetroffenen Bodenspuren wurde begleitend die Frage formuliert, ob sich noch frühe Besiedlungspuren der nordwestlichen Marktplatzbebauung finden oder gar die ersten Bebauungsspuren auf diesem Grundstück nachweisen lassen.

Erste Ergebnisse

Anhand der Auffindung einer vollständig erhaltenen, steilwandigen Schüssel mit Henkel und Fragmente eines Topfes aus dem gleichen Fundhorizont des Bad Windsheimer Spitalfundes um 1500, hat die Grabung einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Die bisher vier geöffneten Flächen erbrachten die Erkenntnis, daß hinter dem Haupthaus im Hof seit dem späten 15. Jahrhundert tiefe Bodeneingriffe vorgenommen worden sind, deren Strukturen und Funktionen aufgrund der geöffneten Flächengröße zu einer Reihe von Interpretationsmöglichkeiten Anlaß geben. Die Füllung dieser Eintiefungen enthielt zum Teil aber auch stark fragmentierte, romanische Keramik aus dem 10./11. Jahrhundert, so daß der Schluß naheliegt, daß die Baumaßnahmen des 15./16. Jahrhunderts bereits vorhandene ältere Siedlungsspuren zerstört haben. Dennoch bleibt zu bemerken, daß charakteristisches Keramikmaterial aus dem 12. bis 14. Jahrhundert kaum aufgefunden wurde – eine Beobachtung wie sie bereits in den vergangenen Jahren in der Kreuzstraße und am Jüdischen Museum gemacht werden konnte.

Die Befunde im Stadlershof lassen aber auf jeden Fall erkennen, daß der Häuserchronist Gottlieb Wunschel mit seiner Vermutung richtig lag. Die von Fronmüller benutzten Quellen aus dem Bamberger Archiv, auf die sich auch Wunschel bezog, bekommen durch die archäologischen Untersuchungen einen ganz neuen Stellenwert und sollten unbedingt einmal gesichtet werden.

Weitere Funde

Unter der Westecke des Haupthauses wurde eine rechteckig gemauerte Grube angetroffen, die in diesem Bereich der nordwestlichen Giebelwand des Gebäudes als Fundament diente und beim Unterfangen der Südwestwand in ihrem oberen Teil zerstört wurde. Die Funktion als Latrinenschacht, Kellergrube oder ähnlichem ließ sich nicht mehr bestimmen. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts hat man sie nicht mehr gebraucht und mit Hausrat verfüllt. Die gefundenen Gegenstände ließen sich größtenteils wieder restaurieren und geben einen Einblick in die Ausstattung des kleinstädtischen Bürgertums vor der Stadtwerdung Fürths.

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