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Die Voraussetzungen der Untersuchung
In der Zeit von November 2000 bis März 2001 führte die Arbeitsgruppe
Archäologie in Fürth mit Zustimmung der zuständigen Behörden und Unterstützung
der neuen Eigentümer auf dem Anwesen Marktplatz 5 archäologische Ausgrabungen
durch.
Grundlage dieser Untersuchungen bildet die bereits eingetretene Zerstörung
des ursprünglichen Bodenniveaus im an den Marktplatz angrenzenden Vorderhaus
durch Absenkung der Erdgeschoßebene um 1908. Diese Maßnahme diente seinerzeit
dazu, das Ladenniveau im Vorderhaus dem Marktplatzniveau zwecks besserer
Begehbarkeit anzupassen. Mit der geplanten Sanierung der Gebäude im Stadlershof,
insbesondere der Fußböden der ans Vorderhaus anschließenden Anbauten,
stand zu befürchten, daß durch weitere Bodeneingriffe vorhandene historische
Bodenspuren unbeobachtet verloren gehen.
Die historischen Hintergründe
Historische Aufzeichnungen zu Hof und Gebäuden lassen sich bis ins Jahr
1611 zurückverfolgen. Gleichwohl vermutete der Häuserchronist Gottlieb
Wunschel, daß mit einer Bebauung des Grundstücks um 1500 gerechnet werden
muß und begründet seine Vermutung mit einer Formulierung aus der Fronmüller-Chronik,
daß die westlichen Hänge des Bergsporns zwischen Pegnitz und Rednitz mit
Weinbergen bepflanzt waren. Fronmüller selbst bezog sich ohne näheren
Angaben auf das Bamberger Archiv.
Die Fragestellung
Mit der archäologischen Sicherung und Dokumentation der angetroffenen
Bodenspuren wurde begleitend die Frage formuliert, ob sich noch frühe
Besiedlungspuren der nordwestlichen Marktplatzbebauung finden oder gar
die ersten Bebauungsspuren auf diesem Grundstück nachweisen lassen.
Erste Ergebnisse
Anhand der Auffindung einer vollständig erhaltenen, steilwandigen Schüssel
mit Henkel und Fragmente eines Topfes aus dem gleichen Fundhorizont des
Bad Windsheimer Spitalfundes um 1500, hat die Grabung einen vorläufigen
Höhepunkt erreicht.
Die bisher vier geöffneten Flächen erbrachten die Erkenntnis, daß hinter
dem Haupthaus im Hof seit dem späten 15. Jahrhundert tiefe Bodeneingriffe
vorgenommen worden sind, deren Strukturen und Funktionen aufgrund der
geöffneten Flächengröße zu einer Reihe von Interpretationsmöglichkeiten
Anlaß geben. Die Füllung dieser Eintiefungen
enthielt zum Teil aber auch stark fragmentierte, romanische Keramik aus
dem 10./11. Jahrhundert, so daß der Schluß naheliegt, daß die Baumaßnahmen
des 15./16. Jahrhunderts bereits vorhandene ältere Siedlungsspuren zerstört
haben. Dennoch bleibt zu bemerken, daß charakteristisches Keramikmaterial
aus dem 12. bis 14. Jahrhundert kaum aufgefunden wurde eine Beobachtung
wie sie bereits in den vergangenen Jahren in der Kreuzstraße und am Jüdischen
Museum gemacht werden konnte.
Die Befunde im Stadlershof lassen aber auf jeden Fall erkennen, daß der
Häuserchronist Gottlieb Wunschel mit seiner Vermutung richtig lag. Die
von Fronmüller benutzten Quellen aus dem Bamberger Archiv, auf die sich
auch Wunschel bezog, bekommen durch die archäologischen Untersuchungen
einen ganz neuen Stellenwert und sollten unbedingt einmal gesichtet werden.
Weitere Funde
Unter der Westecke des Haupthauses wurde eine rechteckig gemauerte Grube
angetroffen, die in diesem Bereich der nordwestlichen Giebelwand des Gebäudes
als Fundament diente und beim Unterfangen der Südwestwand in ihrem oberen
Teil zerstört wurde. Die Funktion als Latrinenschacht, Kellergrube oder
ähnlichem ließ sich nicht mehr bestimmen. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts
hat man sie nicht mehr gebraucht und mit Hausrat verfüllt. Die gefundenen
Gegenstände ließen sich größtenteils wieder restaurieren und geben einen
Einblick in die Ausstattung des kleinstädtischen Bürgertums vor der Stadtwerdung
Fürths.
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