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Von Juli bis September 2001 wurde auf dem Altstadtrundstück Gustavstraße
31 eine archäologische Untersuchung durchgeführt. Auf dem Grabungsreal
befanden sich bis zu ihrem Abriß Mitte der 90er Jahre zwei vermutlich
zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Hinterhofgebäude, die nicht
unterkellert waren.
Somit war zu erhoffen, dass sich archäologische Schichten in größerem
Umfang erhalten hatten. Diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Unter
jüngeren Planierschichten kam im nördlichen Bereich der Grabungsfläche
ein mächtiges Brandschuttpaket zutage. Es bestand aus verbranntem Fachwerklehm,
einer großen Anzahl von zerbrochenen Bieberschwanzziegeln und einigen
Fragmenten von Firstziegeln. Der Brandschutt lag auf einem Holzfußboden
auf, der sich in verkohltem Zustand auf ca. 5 m² sehr gut erhalten hatte.
In der Brandschicht fanden sich zahlreiche ausgeglühte Nägel, zwei weitgehend
komplette Schubriegel sowie weitere Eisenfragmente, die offensichtlich
von verschiedenen Baubeschlägen stammen. Geborgen werden konnten darüber
hinaus eine größere Anzahl von irdenen Ofenkacheln verschiedenen Formats,
darunter zahlreiche Medaillonkacheln, deren Form und Dekoration in die
Renaissance verweist.
Die ebenfalls reichlich vorhandene Geschirrkeramik erlaubt eine Datierung
in das frühe 17. Jahrhundert. Sowohl die zeitliche Einordnung des Fundmaterials
als auch der durch den ausgeprägten Brandhorizont belegte große Umfang
des Schadensfeuers lassen einem Zusammenhang mit der für 1634 belegten
Zerstörung Fürths denkbar erscheinen. Im diesem Jahr des 30-jährigen Krieges
hatten kaiserliche Truppen den Ort fast vollständig niedergebrannt.
Im Süden wurden die Brandschicht und der Holzboden durch eine ca. 3 x
1 m große wannenförmige Grube gestört, von deren ehemaliger Holverschalung
sich noch zahlreiche Reste erhalten haben. Deutliche Kalkreste an den
Wänden deutenauf eine ehemalige Nutzung als Kalkgrube hin. Nach Ihrer
Aufgabe wurde die Grube mit einer großen Menge Keramikbruch sowie etwas
Bauschutt verfüllt. Die Keramik kann grob in das mittlere Drittel des
19. Jahrhunderts datiert werden.
Nach Süden unmittelbar an die Kalkwanne anschließend wurde bei der Grabung
schließlich noch eine Sandsteinmauer erfaßt, die als Trennmauer der abgerissenen
Gebäude gedient hatte. Unter dem verkohlten Holzboden sowie der Kalkwanne
befanden sich Aufschüttungen die vorwiegend Keramikmaterial des fortgeschrittenen
16. Jahrhunderts enthielten. Besonders zu erwähnen sind einige Fragmente
hochwertiger buntglasierter Irdenware mit Reliefverzierung, die auf einen
gewissen Wohlstand ihrer ehemaligen Benutzer schließen lassen. Darüber
hinaus konnten Steinzeugscherben geborgen werden, deren charakteristische
Rollrädchenverzierung ihre Herkunft aus dem sächsischen Waldenburg verrät.
Einige Glasbruchstücke, darunter Teile von sog. Krautstrünken runden das
Fundspektrum ab.Schließlich sei noch ein Rechenpfennig der ausgehenden
Spätgotik aus Buntmetall erwähnt, der durch eine Durchbohrung eine "Umwandlung"
in einen Schmuckanhänger erfahren hat.
Die Aufschüttungen überdeckten zwei Gruben, die in den gewachsenen Sandboden
eingetieft waren. Der nördliche dieser beiden Befunde konnte nur zum Teil
erfasst werden, da er am Grabungsrand lag. Seine Verfüllung erbrachte
Keramik des ausgehenden 15. Jahrhunderts, darunter auch das Fragment eines
Steinzeuggefäßes aus dem bedeutenden rheinischem Töpfereizentrum in Siegburg.
Nach der Aufgabe der Grube wurde über ihrem südlichen Randbereich eine
Herd-bzw. Ofenstelle angelegt, die anscheinend nur kurzfristig in Benutzung
war. Im Abstand von etwa 1 m nach Süden befand sich eine etwa rechteckige,
ca. 3x 1 m große Grube, deren Wände steil etwa 1 m tief abfielen. Aufgrund
der tiefschwarzen, humosen und teilweise sehr feuchte Verfüllung die neben
einer Eisensichel auch Knochen, Ziegelstücke und Keramikfragmente aus
der 2.Hälfte 15. Jhd. enthielt, dürfte es sich hier um eine ehemalige
Dunggrube o.ä. gehandelt haben. Durch die beiden Eingrabungen der Spätgotik
waren ältere Befunde weitgehend beseitigt worden. In der nordwestlichen
Ecke der Grabungsfläche hatte sich jedoch fragmentarisch eine pfostenlochähnliche
Struktur erhalten, die etwas Keramik des 10./11. Jahrhunderts enthielt.
Ein in Hinsicht auf Form und Verfüllungsmaterial sehr ähnlicher, Befund
konnte im südlichen Randbereich der Grabung aufgedeckt werden, datierendes
Fundmaterial konnte dabei aber leider nicht geborgen werden. In seinem
Umfeld wurden weitere, leider weitgehend durch jüngere Eingriffe zerstörte
Befunde mit etwas romanischer Keramik angetroffen. Die weitaus größte
Anzahl älterer Keramik, darunter fand sich umgelagert in jüngeren Strukturen.
Unter der romanischen Keramik befinden sich mehrere Fragmente von Goldglimmerware.
Keramik aus spätromanisch-frühgotischer Zeitist unter den Grabungsfunden
nur äußerst spärlich vertreten.
Die Grabung in der Gustavstraße 31 erbrachte neben interessanten Befunden
ein ausgesprochen reichhaltiges und vielfältiges Fundmaterial, dessen
weitere Auswertung noch viele interessante neue Einblicke in die Sachkultur
und Lebensweise der "alten" Fürther verspricht."
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