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Grabung in der Gustavstraße 31

Bretterboden 17. Jhd.
Die Brandschicht aus dem 17. Jhd. überdeckt einen Bretterboden. Die Hölzer hatten sich im verkohlten Zustand gut erhalten.
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Foto: M. Gottwald

Rot verziegelte Brandschicht
In der Profilaufnahme ist die rot verziegelte Brandschicht aus dem 30-jährigen Krieg gut zu erkennen. Unten greift eine Grube aus dem ausgehenden Mittelalter in den gewachsenen Sandboden ein.
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Foto: M. Gottwald

Boden einer mit Holz verschalten Kalkgrube aus der Mitte des 19. Jahrhunderts
Boden einer mit Holz verschalten Kalkgrube aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
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Foto: M. Gottwald

Gruben aus dem 15. Jhd
Zwei in den gewachsenen Sandboden eingegrabene Gruben aus dem 15. Jhd. Über der nördlichen Grube wurde nach der Verfüllung eine Ofenstelle angelegt.
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Foto: M. Gottwald

Von Juli bis September 2001 wurde auf dem Altstadtrundstück Gustavstraße 31 eine archäologische Untersuchung durchgeführt. Auf dem Grabungsreal befanden sich bis zu ihrem Abriß Mitte der 90er Jahre zwei vermutlich zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Hinterhofgebäude, die nicht unterkellert waren.

Somit war zu erhoffen, dass sich archäologische Schichten in größerem Umfang erhalten hatten. Diese Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Unter jüngeren Planierschichten kam im nördlichen Bereich der Grabungsfläche ein mächtiges Brandschuttpaket zutage. Es bestand aus verbranntem Fachwerklehm, einer großen Anzahl von zerbrochenen Bieberschwanzziegeln und einigen Fragmenten von Firstziegeln. Der Brandschutt lag auf einem Holzfußboden auf, der sich in verkohltem Zustand auf ca. 5 m² sehr gut erhalten hatte.

In der Brandschicht fanden sich zahlreiche ausgeglühte Nägel, zwei weitgehend komplette Schubriegel sowie weitere Eisenfragmente, die offensichtlich von verschiedenen Baubeschlägen stammen. Geborgen werden konnten darüber hinaus eine größere Anzahl von irdenen Ofenkacheln verschiedenen Formats, darunter zahlreiche Medaillonkacheln, deren Form und Dekoration in die Renaissance verweist.

Die ebenfalls reichlich vorhandene Geschirrkeramik erlaubt eine Datierung in das frühe 17. Jahrhundert. Sowohl die zeitliche Einordnung des Fundmaterials als auch der durch den ausgeprägten Brandhorizont belegte große Umfang des Schadensfeuers lassen einem Zusammenhang mit der für 1634 belegten Zerstörung Fürths denkbar erscheinen. Im diesem Jahr des 30-jährigen Krieges hatten kaiserliche Truppen den Ort fast vollständig niedergebrannt.

Im Süden wurden die Brandschicht und der Holzboden durch eine ca. 3 x 1 m große wannenförmige Grube gestört, von deren ehemaliger Holverschalung sich noch zahlreiche Reste erhalten haben. Deutliche Kalkreste an den Wänden deutenauf eine ehemalige Nutzung als Kalkgrube hin. Nach Ihrer Aufgabe wurde die Grube mit einer großen Menge Keramikbruch sowie etwas Bauschutt verfüllt. Die Keramik kann grob in das mittlere Drittel des 19. Jahrhunderts datiert werden.

Nach Süden unmittelbar an die Kalkwanne anschließend wurde bei der Grabung schließlich noch eine Sandsteinmauer erfaßt, die als Trennmauer der abgerissenen Gebäude gedient hatte. Unter dem verkohlten Holzboden sowie der Kalkwanne befanden sich Aufschüttungen die vorwiegend Keramikmaterial des fortgeschrittenen 16. Jahrhunderts enthielten. Besonders zu erwähnen sind einige Fragmente hochwertiger buntglasierter Irdenware mit Reliefverzierung, die auf einen gewissen Wohlstand ihrer ehemaligen Benutzer schließen lassen. Darüber hinaus konnten Steinzeugscherben geborgen werden, deren charakteristische Rollrädchenverzierung ihre Herkunft aus dem sächsischen Waldenburg verrät. Einige Glasbruchstücke, darunter Teile von sog. Krautstrünken runden das Fundspektrum ab.Schließlich sei noch ein Rechenpfennig der ausgehenden Spätgotik aus Buntmetall erwähnt, der durch eine Durchbohrung eine "Umwandlung" in einen Schmuckanhänger erfahren hat.

Die Aufschüttungen überdeckten zwei Gruben, die in den gewachsenen Sandboden eingetieft waren. Der nördliche dieser beiden Befunde konnte nur zum Teil erfasst werden, da er am Grabungsrand lag. Seine Verfüllung erbrachte Keramik des ausgehenden 15. Jahrhunderts, darunter auch das Fragment eines Steinzeuggefäßes aus dem bedeutenden rheinischem Töpfereizentrum in Siegburg. Nach der Aufgabe der Grube wurde über ihrem südlichen Randbereich eine Herd-bzw. Ofenstelle angelegt, die anscheinend nur kurzfristig in Benutzung war. Im Abstand von etwa 1 m nach Süden befand sich eine etwa rechteckige, ca. 3x 1 m große Grube, deren Wände steil etwa 1 m tief abfielen. Aufgrund der tiefschwarzen, humosen und teilweise sehr feuchte Verfüllung die neben einer Eisensichel auch Knochen, Ziegelstücke und Keramikfragmente aus der 2.Hälfte 15. Jhd. enthielt, dürfte es sich hier um eine ehemalige Dunggrube o.ä. gehandelt haben. Durch die beiden Eingrabungen der Spätgotik waren ältere Befunde weitgehend beseitigt worden. In der nordwestlichen Ecke der Grabungsfläche hatte sich jedoch fragmentarisch eine pfostenlochähnliche Struktur erhalten, die etwas Keramik des 10./11. Jahrhunderts enthielt. Ein in Hinsicht auf Form und Verfüllungsmaterial sehr ähnlicher, Befund konnte im südlichen Randbereich der Grabung aufgedeckt werden, datierendes Fundmaterial konnte dabei aber leider nicht geborgen werden. In seinem Umfeld wurden weitere, leider weitgehend durch jüngere Eingriffe zerstörte Befunde mit etwas romanischer Keramik angetroffen. Die weitaus größte Anzahl älterer Keramik, darunter fand sich umgelagert in jüngeren Strukturen. Unter der romanischen Keramik befinden sich mehrere Fragmente von Goldglimmerware. Keramik aus spätromanisch-frühgotischer Zeitist unter den Grabungsfunden nur äußerst spärlich vertreten.

Die Grabung in der Gustavstraße 31 erbrachte neben interessanten Befunden ein ausgesprochen reichhaltiges und vielfältiges Fundmaterial, dessen weitere Auswertung noch viele interessante neue Einblicke in die Sachkultur und Lebensweise der "alten" Fürther verspricht."

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